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So bleibt die Schilddrüse gesund

Wie gesund ist Ihre Schilddrüse?

Klein, aber wichtig

Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall, Nervosität, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen – hinter allen diesen Symptomen kann sich eine Erkrankung der Schilddrüse verbergen. Das kleine Organ steuert über die Produktion von Hormonen wichtige Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Verdauung und Nervensystem. Bei jedem dritten Erwachsenen ist die Schilddrüse krankhaft verändert, oft ohne dass die Betroffenen dies wissen. Welche Anzeichen auf eine Schilddrüsenerkrankung hinweisen und wie sie behandelt werden kann, dazu informierten Experten am Lesertelefon anlässlich der Schilddrüsenwoche 2016.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

 

Sind Schluckbeschwerden erste Anzeichen für eine Erkrankung der Schilddrüse?

Dr. med. Mathias Beyer: Möglicherweise, denn eine Schwellung am Hals aufgrund einer vergrößerten Schilddrüse kann zu Schluckbeschwerden führen. Auch wenn Schluckbeschwerden ein sehr allgemeines Symptom bei vielen Erkrankungen und Störungen sind, ist es wichtig, dabei an die Schilddrüse zu denken und eine Untersuchung zu veranlassen.

 

Macht eine Vorsorgeuntersuchung Sinn – und wer führt sie wann durch?

Dr. med. Mathias Beyer: Eine Schilddrüsenuntersuchung als Vorsorgemaßnahme ist sinnvoll – selbst wenn in der Familie keine Fälle von Erkrankungen bekannt sind und keine akuten Symptome vorliegen. Ab dem 40. Lebensjahr sollten Sie alle ein bis zwei Jahre eine Vorsorgeuntersuchung veranlassen. Dabei sollte die Schilddrüse nicht nur abgetastet werden, sondern auf jeden Fall auch ein Ultraschall und eine Bestimmung des TSH-Werts durchgeführt werden. Spezialisten auf diesem Gebiet sind die Endokrinologen und Nuklearmediziner.

 

Was sagt der TSH-Wert über meine Schilddrüse aus?

Dr. med. Andreas Pfestroff: Für viele wichtige Körperfunktionen ist der Spiegel an Schilddrüsenhormonen im Blut entscheidend – und der wird von der Hirnanhangsdrüse gesteuert. Die Steuerung erfolgt über das Thyreoidea-stimulierende Hormon – kurz TSH. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion bemerkt die Hirnanhangdrüse einen niedrigen Spiegel von Schilddrüsenhormonen im Blut. Daraufhin erhöht sie die Ausschüttung von TSH und veranlasst so die Schilddrüse, mehr Schilddrüsenhormone zu produzieren. Bei einer Unterfunktion messen wir deshalb einen erhöhten TSH-Wert. Bei einer Überfunktion ist es umgekehrt: Die Hirnanhangsdrüse befiehlt der Schilddrüse, weniger zu arbeiten – der gemessene TSH-Wert ist niedrig oder gar nicht mehr nachweisbar. In seltenen Fällen ist eine Veränderung des TSH-Werts auch durch andere Ursachen bedingt. Ihr behandelnder Schilddrüsenarzt wird diese Möglichkeit in Betracht ziehen und Sie umfassend untersuchen.

 

Was ist ein heißer Knoten?

Prof. Dr. med. Frank Grünwald: Bildet ein Teil der Schilddrüse mehr Hormon als das übrige Schilddrüsengewebe, spricht man von einem heißen Knoten. Je nach Größe und Aktivität des Knotens kann dies zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Sicher erkennen lässt sich ein heißer Knoten nur im Szintigramm –einer nuklearmedizinischen Untersuchung. Bei einer Blutuntersuchung misst man bei einem noch kleinen Knoten unter Umständen nur einen erniedrigten TSH-Wert, während die Schilddrüsenhormone noch normal sind.

 

Wie hoch ist das Risiko für Schilddrüsenkrebs?

Dr. med. Andreas Pfestroff: Insgesamt sehr gering. Die neuesten Daten aus Amerika zeigen bei Frauen zwar einen messbaren Anstieg von Schilddrüsenkrebs, jedoch handelt es sich überwiegend um kleine Schilddrüsentumoren. Die geringe Sterblichkeitsrate zeigt zudem, dass Schilddrüsenkrebs generell ein gut behandelbarer Tumor ist. In Deutschland ist auf Grund von Jodmangel häufig mit einer Struma nodosa zu rechnen, also gutartigen Schilddrüsenknoten in einer vergrößerten Schilddrüse. Von heißen Knoten geht kein nennenswertes Krebsrisiko aus, während bei den kalten Knoten fünf bis zehn Prozent bösartig sein können. Der Arzt wird Ihr individuelles Risiko mit Ihnen besprechen, da Alter, Geschlecht und das Vorhandensein mehrerer Knoten größeren Einfluss auf die individuelle Wahrscheinlichkeit von Schilddrüsenkrebs haben.

 

Ändert sich die Funktion der Schilddrüse mit dem Alter?

Priv.-Doz. Dr. med. Onno Janßen: Bei gesunden Menschen ändert sich die Funktion der Schilddrüse im Laufe des Lebens nicht. Bei der Beurteilung der Schilddrüsenfunktion kann eine Bestimmung des TSH im Blut hilfreich sein. Dabei ist zu beachten, dass Kinder und alte Menschen durchaus höhere TSH-Werte als Menschen im mittleren Alter haben können, ohne krank zu sein.

 

Wie gesund ist Ihre Schilddrüse?Was ist bei Kinderwunsch und Schwangerschaft zu beachten?

Priv.-Doz. Dr. med. Onno Janßen: Einerseits geht es dabei um die optimale Einstellung der Schilddrüsenfunktion der werdenden Mutter, andererseits um die ausreichende Versorgung des heranwachsenden Kindes mit Schilddrüsenhormon und Jodid. Anfangs wird das Kind im Mutterleib ausschließlich von der Mutter versorgt. Im weiteren Verlauf entwickelt das Kind selber eine kleine Schilddrüse, die dann einen Teil des benötigten Schilddrüsenhormons produziert. Weil in Deutschland eine ausreichende Versorgung mit Jodid allein über die Nahrung nicht gewährleistet ist, sollten Frauen bei Kinderwunsch und Schwangerschaft täglich 150 bis 200 µg Jodid einnehmen. Üblicherweise wird es mit Folsäure kombiniert, bei Bedarf auch mit Vitamin B12. Ausnahme: Besteht bei der Mutter eine Schilddrüsenüberfunktion, kann zusätzliches Jodid diese verstärken. In diesen Fällen sollte kein Jodid gegeben werden und möglichst eine Betreuung durch Spezialisten erfolgen.

 

Kann eine Störung der Schilddrüse erblich bedingt sein?

Priv.-Doz. Dr. med. Joachim Feldkamp: In der Tat: Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Morbus Basedow und Hashimotothyreoiditis, die mit Über- und Unterfunktion einhergehen können, kommen familiär gehäuft vor. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom, eine sehr seltene Tumorart der Schilddrüse, wird in bis zu 25 Prozent der Fälle vererbt. Ebenfalls äußerst selten sind Genveränderungen wie eine Resistenz gegen Schilddrüsenhormon, die in 50 Prozent vererbt wird.

 

Wie wird eine Unterfunktion/Überfunktion der Schilddrüse behandelt?

Priv.-Doz. Dr. med. Joachim Feldkamp: Eine Unterfunktion wird durch die Gabe von Schilddrüsenhormon in Tablettenform behandelt. Der Patient muss dabei morgens nüchtern vor dem Frühstück eine Tablette einnehmen. Anfangs erfolgt gelegentlich eine Blutkontrolle zur Überprüfung der Einstellung, später reichen meist Kontrollen alle sechs bis zwölf Monate. Die Überfunktion kann mit Tabletten behandelt werden, die die Produktion der Schilddrüsenhormone blockieren. Beim Morbus Basedow kommt es unter dieser Behandlung nach ein bis eineinhalb Jahren in 50 bis 60 Prozent zu einer Heilung. In den übrigen Fällen kann eine endgültige Heilung durch eine Radiojodtherapie erzielt werden. Bei großen Schilddrüsen mit heißen Knoten oder bei sehr großen Schilddrüsen von Patienten mit M. Basedow kann eine Operation zur Heilung der Überfunktion durchgeführt werden.

 

Wie funktioniert die Radiojodtherapie und welche Auswirkungen hat sie?

Prof. Dr. med. Frank Grünwald: Bei der Radiojodtherapie nimmt der Patient eine Kapsel mit radioaktivem Jod ein, das über den Magen-Darm-Trakt ins Blut gelangt. Die Schilddrüsenzellen nehmen dieses Jod aus dem Blut auf. Die vor Ort freigesetzte radioaktive Strahlung zerstört gezielt erkranktes Schilddrüsengewebe. Aus Strahlenschutzgründen ist die Radiojodtherapie mit einem stationären Aufenthalt von etwa drei Tagen verbunden. In Deutschland führen rund 100 Therapieeinrichtungen eine Radiojodtherapie durch. Eingesetzt wird dieses Verfahren beispielsweise bei heißen Knoten, bei Schilddrüsenvergrößerung, Morbus Basedow und Schilddrüsenkrebs.

 

Wie sinnvoll ist eine Jodsalzprophylaxe und was passiert bei zu viel Jod?

Dr. med. Mathias Beyer: Aus mehreren Ländern mit Programmen zur Jodsalzprophylaxe wissen wir, dass ein Jodmangelausgleich zu einem deutlichen Rückgang von Schilddrüsenvergrößerungen und -knoten führt. Gleichzeitig weisen größere Studien nach, dass durch die Jodaufnahme praktisch keine Nebenwirkungen entstehen. Zwar ist der Jodmangel auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten rückläufig, aber die konsequente Nutzung von jodiertem Speisesalz ist nach wie vor wichtig. Wird mehr Jod aufgenommen als die Schilddrüse benötigt, wird es über die Nieren problemlos wieder ausgeschieden. Nur bei einer Überfunktion der Schilddrüse kann eine sehr große Jodmenge zur Verschlechterung führen. Solche Mengen finden sich auf keinen Fall in unserer alltäglichen Nahrung, sondern zum Beispiel in Röntgenkontrastmitteln oder Medikamenten zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Vor dem Einsatz dieser Substanzen muss der behandelnde Arzt die Funktion der Schilddrüse kennen beziehungsweise untersuchen.

 

 

Wenn dieser Regelkreis von Gehirn und Schilddrüse aus der Balance gerät, kann es jedoch auch zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen kommen. Mediziner sprechen dann von einer Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose. Anders als bei der Unterfunktion können dann Symptome wie nervöse Unruhe, beschleunigter Puls, Schwitzen, Haarausfall und Gewichtsabnahme auftreten. Zusätzlich kann es vermehrt zu Durchfall und – bei Frauen – zu Zyklusstörungen kommen.

 

 

 

Forum Schilddrüse

„Alles über die Schilddrüse“ bietet das Forum Schilddrüse e.V. mit einem Informationsportal, das sich an Patienten und Ärzte gleichermaßen wendet. Das umfangreiche Angebot erläutert Funktion und Erkrankungen der Schilddrüse, beantwortet häufige Fragen zu wichtigen Themen und bietet in einer 14-täglichen Telefonsprechstunde direkten Kontakt zu Experten.
Interessierte können über die Website kostenlos Infobroschüren herunterladen und über einen Arztfinder einen Experten in ihrer Nähe ausfindig machen. 

www.forum-schilddruese.de

 

 

Anlässlich der Schilddrüsenwoche 2016 beantworten Fachärzte Ihre Fragen am Lesertelefon:

 

  • Prof. Dr. med. Frank Grünwald; Facharzt für Nuklearmedizin, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum der Goethe-Universität Frankfurt/Main
  • Priv.-Doz. Dr. med. Onno E. Janßen; Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie (DDG), Endokrinologikum Hamburg
  • Dr. med. Mathias Beyer; Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie, Osteologie (DVO), Praxis für Endokrinologie, Nürnberg
  • Priv.-Doz. Dr. med. Joachim Feldkamp; Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Intensivmedizin und Pneumologie, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie, Pneumologie, Infektiologie des Klinikum Bielefeld
  • Dr. med. Andreas Pfestroff; Facharzt für Nuklearmedizin, Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums der Philipps Universität Marburg

 

 

 

Quelle: pr | nrw | Fotos: Forum Schilddrüse e.V | 28.04.2016



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