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„Die Fahrfitness lässt sich im Alter gezielt verbessern“

Fahrfitness im Alter

Selbsttests, Gesundheits-Checks und Fahrtrainings helfen

Autofahren bis ins hohe Alter – für viele Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit. Denn das eigene Auto ist mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Es steht für Unabhängigkeit, Lebensqualität und soziale Teilhabe. Und besonders im ländlichen Raum sind Alternativen wie ein flächendeckender ÖPNV oder Bürgerbusse oft Mangelware.

 

Doch das zunehmende Alter bringt Einschränkungen mit sich, die zu Lasten der Fahrfitness und Sicherheit gehen können. Sehkraft, Hörvermögen, Reaktionsfähigkeit und mentale Fähigkeiten nehmen ab, während der Verkehr stetig zunimmt. Am wichtigsten für das sichere Fahren sind mentale Fähigkeiten wie Aufmerksamkeitswechsel, Ablenkresistenz und Mehrfachtätigkeit. Aber wie lässt sich die Fahrfitness möglichst lange bewahren? Wie können ältere Menschen trotz gesundheitlicher Einschränkungen sicher mobil bleiben – mit und ohne Auto? Im Rahmen der Aktion Schulterblick des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) informierten Experten am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

 

Woran merke ich selbst, dass meine Fahrsicherheit nachlässt?

Prof. Michael Falkenstein: Ein deutliches Anzeichen für das Nachlassen der eigenen Fahrsicherheit ist zum Beispiel, dass Sie häufiger als früher Verkehrszeichen übersehen. Auch wenn Sie in schwierigen und unerwarteten Verkehrssituationen irritiert sind und sich nicht schnell genug entscheiden können, ist dies ein ernstzunehmender Hinweis, dass Sie nicht mehr so sicher fahren.

 

Ich vermeide Fahrten bei Dunkelheit und auf unbekannten Strecken. Was kann ich noch tun, um weiterhin sicher Auto zu fahren?

Prof. Georg Rudinger: Sie können eine Probefahrt – auch Rückmeldefahrt genannt – in Begleitung eines Fahrlehrers durchführen, der Sie dann über Ihre Stärken und Schwächen informiert, und Sie können gegebenenfalls ein Auffrisch-Fahrtraining machen. Dies zeigt Ihnen Wege auf, die eigenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten auch weiterhin gezielt und kontinuierlich zu trainieren und Ihr Fahrverhalten Ihren Möglichkeiten anzupassen.

 

Mein Vater wird zunehmend unsicher beim Autofahren, merkt es selbst aber nicht. Wie kann ich das Thema ansprechen?

Sandra Demuth: Als Beifahrer können Sie behutsam, aber beharrlich Rückmeldung geben, zum Beispiel wenn Ihr Vater Schilder übersieht. Außerdem können Sie verdeutlichen, dass im Alter wichtige Fähigkeiten durchaus nachlassen, was dem normalen Alternsprozess geschuldet ist und das Fahren beeinträchtigen kann. Sie können darüberhinaus anregen, dies einmal beim Haus- oder Facharzt zu thematisieren oder Rat in einer Fahrschule einzuholen, wo den Fahrlehrern solche Probleme durchaus vertraut sind. Wichtig dabei: Gehen Sie immer sensibel, aber auch sachlich vor.

 

An wen wende ich mich, um einen Fahrfitness-Check zu machen?

Prof. Michael Falkenstein: Einen ersten Selbsttest einzelner Fähigkeiten, die für das Fahren wichtig sind, können Sie im Internet unter www.dvr.de/schulterblick/online-selbsttest machen. Für einen genaueren Fahrfitness-Check sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser kann selbst weiterführende Untersuchungen vornehmen oder an Fachärzte wie Augen- oder Nervenärzte überweisen, die solche Untersuchungen durchführen können. Auch Verkehrspsychologen können spezielle Untersuchungen einzelner mentaler Fähigkeiten, wie zum Beispiel der Aufmerksamkeit, durchführen.

 

Kann der Arzt bei einem Gesundheits- oder Fahrfitness-Check ein Fahrverbot aussprechen?

Prof. Georg Rudinger: Nein! Er kann und soll nur den Patienten sensibilisieren und ihn gegebenenfalls aufklären, dass bei ihm einige Fähigkeiten nachgelassen haben, die für das Fahren wichtig sind. Der Arzt kann und sollte dem Patienten bei Bedarf konstruktive Maßnahmen anraten, wie beispielsweise weitere Untersuchungen beim Facharzt und gegebenenfalls eine „qualifizierte Rückmeldefahrt“ und ein Fahrtraining bei einer Fahrschule.

 

Ich habe gehört, dass auch Fahrschulen Praxis-Tests zur Einschätzung der Fahrsicherheit machen. Was wird dabei getestet?

Sandra Demuth: Manche Fahrschulen führen Funktionstests durch, wie zum Beispiel Tests zur Reaktionsgeschwindigkeit und zur Aufmerksamkeit. Zum anderen kann man bei vielen Fahrschulen einzelne Stunden buchen, bei denen deutlich wird, ob und wo Probleme beim Fahren sichtbar sind.

 

Im ländlichen Raum gibt es wenig Alternativen zum Auto. Wie bleibe ich mobil, wenn ich aufs Auto verzichte?

Prof. Michael Falkenstein: Bevor Sie auf das Auto verzichten, sollten Sie versuchen, Maßnahmen zur Verbesserung der eigenen Fahrtüchtigkeit wahrzunehmen. Das kann ein Auffrisch-Fahrtraining mit einem Fahrlehrer oder auch ein kontinuierliches Training der eigenen körperlichen und mentalen Fitness sein. Falls Sie das Fahren wegen Krankheit oder starker funktioneller Beeinträchtigungen aufgeben müssen, können Sie in immer mehr ländlichen Regionen Bürgerbusse in Anspruch nehmen. Das sind Minibusse, die von ehrenamtlich tätigen Fahrerinnen und Fahrern betrieben werden.

 

Ich muss täglich mehrere verschiedene Medikamente einnehmen. Wie stelle ich fest, ob diese Einfluss auf meine Fahrfitness haben?

Prof. Georg Rudinger: Fragen Sie Ihren Hausarzt oder den Facharzt gezielt danach. Lesen Sie Packungsbeilagen durch und achten Sie auf Wechselwirkungen der Medikamente untereinander. Besonders bei Medikamenten, die einen Einfluss auf das Gehirn haben, sollten Sie sehr vorsichtig sein. Zugegeben: Das ist einfacher gesagt als getan, ist dies doch eine komplexe Angelegenheit, und die Packungsbeilagen geben vor allem über die Wechselwirkungen in der Regel keine detaillierten Informationen. Hilfe bekommen Sie bei vielen Apotheken. Sie verfügen über entsprechende Computerprogramme mit präzisen Informationen über Neben- und Wechselwirkungen.

 

Ü Weitere Informationen, ein Online-Selbsttest und eine Datenbank mit Anbietern von Fahrsicherheitstrainings: www.dvr.de unter „Programme, Trainings, Kampagnen“.

 

 

Die Experten am Lesertelefon waren:

 

  • Prof. Dr. Georg Rudinger; Sprecher des Zentrums für Alterskulturen an der Universität Bonn (ZAK) für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)
  • Prof. Dr. med. Michael Falkenstein; Dipl.-Psych., Dipl.-Ing., Direktor ALA Institut für Arbeiten Lernen Altern GmbH, Bochum
  • Sandra Demuth; Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit Initiativen/Veranstaltungen, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)

 

Quelle: pr | nrw, Foto: DVR e.V.



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