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Jäten, hacken, sprühen – so machen Sie Giersch & Co. den Garaus

Unkraut schonend und nachhaltig bekämpfen 02
„Unkraut ist alles, was nach dem Jäten wieder wächst“, so beschrieb Mark Twain augenzwinkernd den ewigen Kampf des Gärtners gegen Giersch, Ackerschachtelhalm & Co. Wer Rasen und Beete von unerwünschtem Grünzeug freihalten will, steht grundsätzlich vor der Wahl, sich körperlich zu betätigen oder auf Hilfsmittel wie Unkrautbrenner oder Unkrautvernichter zu setzen.

 

Doch gerade bei Letzteren sind Gartenfreunde durch die Glyphosat-Diskussion vorsichtig geworden. Wie sich Unkraut wirkungsvoll bekämpfen lässt, dazu informierten Gartenprofis am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

 

Ich habe mit Rindenmulch versucht, gegen Unkraut vorzugehen. Warum hilft das nicht?

Thomas Heß: Rindenmulch schützt zwar den Boden gut vor Starkregen oder Sonnenstrahlen, aber Unkraut verhindert er nicht. Die Pflanzen wachsen von unten einfach durch die Mulchschicht. Zudem keimen von oben anfliegende Unkrautsamen problemlos in dem lockeren Substrat. Außerdem lässt sich der Boden schlecht hacken, weil der Mulch wie ein Puffer wirkt und die Hacke „ausbremst“.

 

An gut zugänglichen Stellen jäte ich das Unkraut, aber unter Sträuchern und Hecken ist es einfacher, ein umweltverträgliches Unkrautmittel einzusetzen. Worauf muss ich bei der Auswahl achten? Unkraut schonend und nachhaltig bekämpfen 01

Sabine Klingelhöfer: An Stellen, an denen das Jäten nicht möglich ist, kann die Verwendung eines Unkrautvernichters eine sinnvolle – und oft auch die einzige – Alternative sein. Dabei sollten Sie auf Produkte setzen, deren Wirkstoffe auch in der Natur vorkommen. Pelargonsäure zum Beispiel ist ein natürlicher Bestandteil von Pelargonien, Brombeeren und Himbeeren. Kombiniert man Pelargonsäure mit Wachstumsregulatoren, erhält man ein wurzeltief wirkendes Herbizid namens Finalsan, mit dem sich ein- und mehrjährige Unkräuter wirksam bekämpfen lassen.

 

Wirkt Pelargonsäure auch gegen Giersch?

Sabine Klingelhöfer: Die Wirkung gegen Giersch und das zweite Problem-Unkraut, den Ackerschachtelhalm, ist dank der Wirkweise sehr gut: Pelargonsäure unterbindet wichtige Stoffwechselfunktionen zwischen den Zellen, zerstört die Zellwände und führt damit zum Absterben der Blätter. Die behandelten Unkräuter verbräunen innerhalb weniger Stunden und können dann leicht entfernt werden. Bei Giersch muss die Anwendung wegen des verzweigten Wurzelwerks der Pflanzen wiederholt werden.

 

Gibt es Beschränkungen für den Einsatz von Unkrautmitteln?

Ingo Schlieder: Das Pflanzenschutzgesetz regelt eindeutig, dass Pflanzenschutzmittel nicht auf versiegelten Flächen ausgebracht werden dürfen, also auch nicht auf befestigten Wegen oder Terrassen, Gehsteigen oder Garagenauffahrten. Sie dürfen auch nicht ausgebracht werden, wenn die Gefahr einer Abschwemmung in die Kanalisation oder in Gewässer besteht. Das gilt übrigens auch für vermeintlich harmlose Hausmittel wie Essigsäure oder Salzlösungen. Bei Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro.

 

Worauf muss ich bei der Anwendung von Pelargonsäure achten?

Peter Hölzer: Am besten wenden Sie Pelargonsäure bei trockenem und windstillem Wetter an, die Temperatur sollte zwischen zehn und 25 Grad Celsius betragen. Tau und Niederschläge sollten gut abgetrocknet sein und es sollte absehbar sechs bis acht Stunden nach der Anwendung nicht regnen. Damit sie genügend von dem Mittel aufnehmen, sollten normale Unkräuter etwa fünf bis zehn Zentimeter hoch sein, hartnäckige Wurzelunkräuter wie Giersch sogar zehn bis 15 Zentimeter.

 

Wie bringe ich Pelargonsäure aus?

Peter Hölzer: Da Pelargonsäure sich von der Beanspruchung her stark von chemischen Herbiziden unterscheidet, würde sie an herkömmlichen Sprühgeräten zu einem erheblichen Verschleiß führen. Deshalb sollten spezielle Geräte wie der Organic Star 5 verwendet werden, deren Dichtungen, Düsen und Armaturen säurebeständig sind. Das Gerät bringt die Pelargonsäure mit großen Tropfen und bei einem niedrigen Druck aus. So erreicht man eine hohe Bestandsdurchdringung und einen guten Wirkungsgrad.

 

Wie verhindere ich, dass der Unkrautvernichter auch die Kulturpflanzen zerstört?

Peter Hölzer: Das Wichtigste ist, das Mittel sehr gezielt auszubringen, indem Sie die so genannte Abdrift vermeiden. Um einzelne Unkrautpflanzen zu bekämpfen, gibt es spezielle Sprühschirme, die einfach an Geräte wie zum Beispiel den Birchmeier Super Star gesteckt werden können.

 

Geht von Unkrautvernichtern eine Gefahr für Haustiere aus?

Sabine Klingelhöfer: Zumindest die Anwendung von Finalsan stellt für Haustiere kein Problem dar. Sobald der Pelargonsäurebelag angetrocknet ist, können behandelte Flächen von Haustieren wieder betreten werden.

 

Kann ich von vorneherein verhindern, dass Unkraut überhaupt entsteht?

Thomas Heß: Einzig eine möglichst dichte Bepflanzung mit Bodendeckern wie Stachelnüsschen oder Dickmännchen verhindert Unkrautbewuchs. Ansonsten wächst Unkraut überall dort, wo auch Kulturpflanzen wachsen. Zudem kommen Unkräuter wesentlich besser mit knappem Nährstoffangebot klar und wachsen auch dort, wo nichts anderes wächst.

 

Was ist von Unkraut-Vliesen zu halten?

Ingo Schlieder: Unter Wegen und Plätzen mögen solche Vliese Sinn machen, vorausgesetzt sie sind wasserdurchlässig. Im Beet verhindern sie allerdings nicht nur das Unkraut, sondern beeinträchtigen das Bodenleben, weil Boden und Oberfläche künstlich getrennt werden. Zudem erschweren sie das Arbeiten im Beet, reduzieren die Pflanzmöglichkeiten und die Nährstoffzuführung durch Düngung.

 

Der Klee in meinem Rasen bringt mich zur Verzweiflung. Was raten Sie?

Peter Hölzer: Klee im Rasen weist vor allem auf einen Mangel an Stickstoff hin. Mit einem qualitativ hochwertigen organischen Rasendünger, den Sie dreimal jährlich anwenden, sollten Sie den Klee in den Griff bekommen. Hat sich der Klee bereits im Rasen ausgebreitet, können Sie ihn mit einem Herbizid behandeln, das gegen zweikeimblättrige Unkräuter wie Klee, Gänseblümchen und Löwenzahn wirkt. Rasendünger mit „eingebautem“ Unkrautvernichter sind in der Regel weniger geeignet als flüssige Mittel, die Sie gezielt mit einem Sprühgerät ausbringen können

 

Was mache ich gegen Unkraut in Fugen?

Ingo Schlieder: Wo Unkrautmittel tabu sind, bieten sich zur Vermeidung ein spezieller Fugensand oder spezieller Fugenmörtel an. Entfernen lässt sich Unkraut in Fugen mit einer besonderen Fugenbürste oder einem Unkrautbrenner. Eine Alternative ist eine „grüne Fuge“, die Sie mit Sternmoos, flachen Steinbrechgewächsen oder flach wachsenden Gräsern bepflanzen. Der Vorteil: Der Boden bleibt offen, Wasser kann versickern, die Unkrautbildung wird verhindert.

 

Harke, Hacke oder Rechen – welches Werkzeug brauche ich zum Entfernen von Unkraut?

Thomas Heß: Zwei Werkzeuge sind unabdingbar: Die Ziehhacke für Arbeiten im Beet und der Unkrautstecher für einzelne Unkräuter wie Löwenzahn, zum Beispiel im Rasen. Sparen Sie beim Kauf nicht am falschen Ende: Bei Billigware brechen die Stiele oft frühzeitig, das Material rostet oder verschleißt schneller. Unkrautstecher sollten einen langen Stiel haben, damit Sie bequem im Stehen arbeiten können.

 

 

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Noch mehr Tipps für die grüne Oase

 

Mein schöner Garten

Von der Balkonpflanze bis zum Biogarten, von der Gartenplanung bis zur Kompostierung – das Portal der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ widmet sich der gesamten Bandbreite „grünen Lebens“. Die Rubrik Gartenpraxis hilft Hobbygärtnern mit praktischen Tipps, zum Beispiel zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers oder zur Bewässerung während der Urlaubszeit.

Ü www. mein-schoener-garten.de

 

Gartenprofis am Telefon

„Naturgemäß gärtnern“ – unter diesem Motto stehen Gartenbau-Ingenieurinnen von Neudorff zur Beantwortung von Fragen rund um den Garten zur Verfügung. Unter der Rufnummer 05155 - 6244888 beraten die Gartenprofis montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr. Anfragen können auch per E-Mail an beratung@neudorff.de gesendet werden.

Ü www.neudorff.de

 

Für Fortgeschrittene

Erfahrene Gärtner finden wertvolle Tipps im Blog des Sprühgerätespezialisten Birchmeier. Hier schreiben Gartenexperten wie der Buchautor Thomas Heß und die Fachjournalistin Judith Supper über Themen wie das kleine Einmaleins des Rosenschnitts, Alternativen zum Buchsbaum oder der Einsatz von Nützlingen.

Ü www.forum.birchmeier.com

 

 

Die Experten am Lesertelefon waren:

 

  • Sabine Klingelhöfer; Gartenbauingenieurin, W. Neudorff GmbH KG, Emmerthal
  • Ingo Schlieder; Gärtnermeister Fachrichtung Baumschule und selbstständiger „Gartendoktor“, Mettmann
  • Peter Hölzer; Gärtnermeister, geprüfter Greenkeeper und zertifizierter Baumkontrolleur, Birchmeier Sprühtechnik AG
  • Thomas Heß; Gärtner und Gartenbauingenieur, Buchautor und Redakteur für „Selbst ist der Mann“, Bielefeld

 

Quelle: pr | nrw, Foto:LianeM - fotolia.com; jensrother - fotolia.com



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